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Grenzenlose
Kunst
»Ist ein Bahnhof eine Komposition?«
Versuch einer »scharfen« Argumentation
[ 2000 ]
Die Suche nach Identität stellt für uns
Komponisten heute eine Herausforderung dar wie kaum je zuvor. Angesichts
der Fülle und Verfügbarkeit historischen wie zeitgenössischen
Materials erhebt sich die Frage, was an Denkbarem denn noch nicht
versucht wurde und damit »besetzt« erscheint. Nicht
selten wird künstlerische Qualität ausschließlich
am Grad der Originalität gemessen: je »unerhörter«,
desto besser. Schatzsuchern gleich, begeben sich Scharen von Komponisten
auf den Weg nach noch unentdeckten Goldadern. Werden sie, selten
genug, tatsächlich fündig, können sie sich aber,
anders als jene, nicht damit begnügen, den Schatz zu heben:
»Er schreibt immer dasselbe Stück«, tönt es
andernfalls. Spätestens seit Strawinsky sollte ja kein Werk
dem anderen gleichen.
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Die Suche
nach Unerhörtem
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Ist die Suche nach Unerhörtem
für uns (in Europa) von geradezu existenzieller Bedeutung geworden,
so war das nicht immer so. Vielmehr bildete vor noch nicht allzu
langer Zeit eine andere Größe den entscheidenden Maßstab
für Qualität: die Beherrschung des Handwerks.
Diese wird zwar auch heute von niemandem explizit in Frage gestellt
(das wäre wohl zu verfänglich). Jedoch ist festzuhalten,
dass das Streben nach individueller Aussage einerseits und das Bekenntnis
zu handwerklichen Normen andererseits zwei gegensätzliche Positionen
darstellen, die zueinander im Widerspruch stehen und bei extremer
Auslegung einander sogar ausschließen.
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Originalität und
Handwerk
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Denn je höher der
Anteil etablierter handwerklicher Elemente, desto weniger ausgeprägt
die Individualität der Aussage, desto eher also »nur«
Kunsthandwerk. Im Überschreiten handwerklicher wie
ästhetischer Grenzen (besser eigentlich in ihrem Verschieben)
lag also lange Zeit der Schlüssel zur Kunst. Liegt er dort
aber immer noch?
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Kunst ohne Grenzen?
Im Rahmen einer liberalen Kunstgesinnung, die sich in demokratischem
Selbstverständnis zu Offenheit und Toleranz bekennt, erscheinen
allgemein verbindliche Grenzen Relikte autoritärer Gesellschaftsformen
und damit grundsätzlich abzulehnen. Lange schon ist auch erlaubt,
was nicht gefällt (nicht selten scheint sich der Satz
— mit durchaus autoritärem Beigeschmack — umzukehren:
Es gefalle, was erlaubt ist…).
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Verlust der Möglichkeit,
gegen Grenzen anzuschreiben
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Mit dem Verlust von Grenzen
und der allerorts gepredigten Freiheit der Kunst ist aber eine der
Triebfedern künstlerischen Wirkens abhanden gekommen: die Möglichkeit,
gegen Grenzen anzuschreiben. Andererseits wird, mehr oder weniger
bewusst, gerade dieses erwartet. Die Grenzen aber befinden sich,
wenn überhaupt, jenseits des Horizontes, nicht wirklich greifbar.
Das gilt ästhetisch wie technisch: Die Grenzen wie auch das
Wesen des kompositorischen Handwerks insgesamt sind heute schwerer
zu fassen denn je.
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Als Möglichkeit der
Grenzüberschreitung bietet sich schließlich das Mittel
der Flucht, heute zumeist in andere Disziplinen, etwa im Rahmen
von Multimedia-Projekten o.ä. Vor rund 30 bis 50 Jahren (gelegentlich
aber auch noch heute) bewegt man sich in Form von Aktionen und Happenings
weg vom klassischen etablierten Kunstbegriff. Das prinzipielle Verdienst
solcher Anstrengungen ist es, die Weite des Terrains aufzuzeigen,
in welchem wir uns zurechtzufinden haben.
Der Bogen spannt sich vom leeren Blatt Papier bis zu diversen Klanginstallationen
in Steinbrüchen und Fabrikshallen, in Höhlen und auf Bergspitzen.
Eine wichtige Frage aber, welche bei der Beurteilung von Kunst immer
gestellt werden muss, wird angesichts der Verblüffung über
derartige Veranstaltungen leider allzu oft vergessen: ob nämlich
im Zuge der Unternehmung der Boden auch wirklich bestellt, oder
ob er vielleicht doch nur betreten wurde.
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Möglichkeiten der
Grenzüberschreitung
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In besonderer Weise gilt
dies für Kunstwerke, die einen hohen Anteil indeterminierter
Elemente aufweisen. Gerade dort, wo Entscheidendes nicht festgelegt
ist, drängt sich neben der Frage der Authentizität auch
jene nach der handwerklichen Qualität auf. Traditionalisten
werden sich sehr bald der Unterstellung nicht erwehren können,
der Komponist habe sich's leicht gemacht, indem er weite Strecken
seines Werkes gar nicht bzw. allenfalls rudimentär festgelegt
und somit der Verantwortung seiner Interpreten übertragen habe.
Was man nicht mache, könne man auch nicht falsch machen. Und
unversehens ist man mit dem Vorwurf mangelnder Seriosität zur
Stelle.
Ihnen lässt sich gewiss antworten, auch in traditioneller Musik
bleibe vieles offen, die Rolle des Handwerkes sei bei offenen Kunstformen
neu zu definieren etc. In (nahezu) jeder Komposition wären
die Kategorien »Schärfe« und »Unschärfe«
wirksam, auch in sog. »traditioneller« Literatur. Nur
ein bestimmtes Maß an Information sei überhaupt notierbar,
eine wichtige Frage sei daher, welchen Parametern Priorität
eingeräumt würde. In der Musikliteratur vergangener Jahrhunderte
stellten vor allem die Parameter Tonhöhe und Tondauer
maßgebliche Faktoren musikalischer Identität dar, während
man in der Gegenwart das Zentrum musikalischer Aussage durchaus
in anderen Parametern erblicken könnte, etwa in Klangfarbe,
musikalischer Gestik/Bewegungsrichtung, räumlicher Konstellation
etc. Diesen Parametern gegenüber könnten die »traditionellen«
Kategorien Tonhöhe und Tondauer in den Hintergrund treten.
Entscheidend sei, was ein Komponist als Bereiche von »Schärfe«
und »Unschärfe« ansehen wolle. Analog dem Foto
einer fokussierten Blume vor einem unscharfen Hintergrund stünde
ein Komponist vor der Frage, welche Bereiche er genau definieren
und welche er offen lassen wolle. Im Falle eines
Extrembeispiels seien bereits einige wenige Festlegungen ausreichend
— etwa die Annahme: »Konzert am 1.1.2000, 10–11
Uhr, Bahnhofshalle, 3 Musiker mit Instrumenten an bestimmten Orten
im Raum verteilt« — um ein Werk als (zugegebenermaßen
äußerst unscharfe) »Komposition« zu qualifizieren. Anm. 1)
Es fällt nicht schwer, die meisten dieser Aussagen widerspruchslos
anzuerkennen; sie sind faktisch bereits Musikgeschichte. Auf die
Behauptung der Umkehrbarkeit musikalischer Prioritäten trifft
dies allerdings nicht ohne weiteres zu. Warum, soll im folgenden
dargelegt werden.
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Die Frage
der Authentizität
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Zunächst gilt es,
die Begriffe »Schärfe« und »Unschärfe«
präziser zu fassen: Es ist zwischen kompositorischer
und klanglicher Schärfe/Unschärfe zu unterscheiden.
Beide Kategorien sind einander nicht gleichzusetzen, auch wenn sie
einander oft (aber eben nicht immer!) bedingen. Mit kompositorischer
Schärfe/Unschärfe ist im folgenden Determination
gemeint, also der Grad an Festlegung unterschiedlicher Parameter
durch den Komponisten. Evident ist, dass es absolute musikalische
Determination (fast) nicht gibt.
Ebenso steht aber außer Zweifel, dass absolute musikalische
Indetermination in Beliebigkeit bzw. Willkür umschlägt,
also de facto innerhalb des Bereiches der Kunst nicht existiert.
In der Realität geht es also immer um einen Standort innerhalb
dieses Feldes von unzähligen Zwischenstufen. Dennoch sei hier
zur Klärung des Sachverhaltes eine Polarisierung in Form dieser
Begriffe gestattet. – Mit klanglicher Schärfe/Unschärfe
andererseits ist der Klangeindruck des Zuhörers angesprochen.
Auf diesen Bereich – aber nur auf diesen! – trifft der
Vergleich mit dem oben erwähnten Foto mit unscharfem Hintergrund
zu.
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»Schärfe«
und
»Unschärfe«
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Wenn man diese zwei Kategorien
differenziert, ergeben sich für den Komponisten grundsätzlich
vier Möglichkeiten der Konstellation:
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Vier Möglichkeiten
der Konstellation
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1.
Kompositorische Schärfe
erzeugt klangliche Schärfe
Beispiel: sog. »traditionelle« Musikliteratur in der
jeweils etablierten Notenschrift; in bestimmten Fällen auch
Formen elektronischer Musik
Das Streben nach möglichst großer »Schärfe«
in Form eines Notenbildes ist Kennzeichen der Entwicklungsgeschichte
europäischer Notation. Wo Indetermination vorliegt (z.B. bei
mittelalterlicher Musik oder bei unvollendeten Werken), ist Determination
verlorengegangen. So ergeben sich größere Bereiche der
»Unschärfe« gelegentlich durch mangelnde Überlieferung
bzw. durch nicht ausformulierte Details, die als bekannt vorausgesetzt
wurden, etwa jene bestimmter Aufführungspraktiken. Damit sind
Probleme der historischen Musikwissenschaft angesprochen, nicht
aber der Kunstästhetik. Kompositorische Standpunkte unserer
Zeit, welche dem Faktor »Unschärfe« einen hohen
Stellenwert einräumen, unterscheiden sich von »traditionellen«
Kunstauffassungen gerade durch ihr ausdrückliches Bekenntnis
zu Indetermination.
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Konstellation 1:
Schärfe erzeugt
klangliche Schärfe
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2.
Kompositorische Unschärfe
erzeugt klangliche Unschärfe
Beispiele: Penderecki, Lutolawski,
»begrenzte Aleatorik«
Das Interesse an musikalischen Massenstrukturen kündigte sich
zu Beginn des 20. Jahrhunderts an und gewann in der Musik der vergangenen
50 Jahre zunehmend an Bedeutung. Klangwolken, Clusterglissandi u.
ä. bilden heute für viele Komponisten unentbehrliche Register,
manchmal jedoch verbunden mit einem unliebsamen Nebeneffekt: Sie
zu generieren erweist sich mitunter als extrem kompliziert und aufwendig.
Als eines der ökonomischesten Mittel musikalischer Organisation
ist die Einbeziehung des Zufalls zur Erzeugung komplexer Klangwirkungen
aus dem Bereich der Neuen Musik nicht mehr wegzudenken. Durch absichtlichen
Verzicht auf genaue Organisation wird klangliche Disparatheit erzeugt.
Wird ein Klangeindruck unkoordinierter Abläufe angestrebt,
so findet er durch die gezielte Anwendung der Aleatorik eine adäquate
kompositionstechnische Entsprechung. In Zusammenhang mit kompositorischen
Freiräumen ist die Identität von Kunstwerken nur dann
nicht eigentlich betroffen, wenn die kompositorische Aussage in
der Wirkung der Unbestimmtheit selbst zu suchen ist, der Unbestimmtheit
selbst also eine konkrete Klangvorstellung zugrunde liegt.
Die beiden bisher erwähnten Konstellationen erscheinen konsequent
und ohne weiteres logisch nachvollziehbar. Die folgenden hingegen
sind von einem grundsätzlichen Widerspruch geprägt und
beide paradox. Gerade deshalb wollen wir sie genauer untersuchen.
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Konstellation 2:
Unschärfe erzeugt klangliche Unschärfe
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3.
Kompositorische Schärfe erzeugt
klangliche Unschärfe
Beispiele: Ligeti, Atmosphères; Y. Xenakis, stochastische
Kompositionen; C. Nancarrow: Werke für Player Piano; viele
(aber nicht alle!) Werke der »elektronischen« Musik.
Hierbei ist ein zentrales künstlerisches Paradoxon angesprochen.
Statt theoretischer Umschweife ein Vergleich: Ein Regisseur, vor
die Aufgabe gestellt, eine tumultartige theatralische Massenszene
zu organisieren (also z.B.: Meistersinger, 2. Akt), hat
grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
a) vor die Menge der Darsteller zu treten mit der Anweisung: »Prügelt
einander!«; oder aber b) das Verhalten jedes einzelnen Schauspielers
mehr oder weniger exakt zu definieren. Es liegt
auf der Hand, welche der beiden Methoden die fruchtbarere ist. Vgl.
hierzu eine Aussage von B. A. Zimmermann: Zufall könne »erst
durch genaueste Organisation der Zeit frei werden
[…]. So ist der Zufall durch exakte Präzisierung, um
es noch deutlicher zu sagen: durch eine geradezu pedantische Notation
erst das geworden, was damit gemeint ist […]«. Anm. 2)
Jedoch birgt dieses Prinzip eine Gefahr – und darin liegt
das erwähnte Paradoxon: Es droht je nach Grad der Auslegung
unökonomisch zu werden und somit die Balance von Aufwand und
Ertrag gelegentlich aus den Fugen zu geraten, sowohl für den
Komponisten als auch für den Interpreten. Y. Xenakis etwa stellte
Ökonomie für sich selbst durch die Einbeziehung von Computerberechnungen
her, andere Komponisten suchen mit einer Mischung aus kompositorischer
Schärfe und Unschärfe dem Anspruch auf Angemessenheit
der Mittel gerecht zu werden. Die kompromisslosesten unter ihnen,
etwa B.A.Zimmermann und Ligeti, beharren auf einer akribischen Festlegung
nahezu aller musikalischen Details. Ein ebenso respektgebietender
wie problematischer Standpunkt: Zimmermanns Erstfassung der Soldaten,
Ligetis letzte Klavieretüden erwiesen sich als praktisch unspielbar
und führten zu Umarbeitungen bzw. zu Neuadaptationen für
Player Piano. Darin steckt, bei aller Bewunderung der faszinierenden
Ergebnisse und der Erschließung der Klangräume, das Moment
der Resignation. C. Nancarrow hat durch seine Hinwendung zur »Klaviermaschine«
das Problem auf seine Art zu Ende gedacht und ist so dem Anspruch
auf Ökonomie gerecht geworden, allerdings um einen hohen Preis:
den Verlust des (menschlichen) Interpreten.
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Konstellation 3:
Schärfe erzeugt
klangliche Unschärfe
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4.
Kompositorische Unschärfe
erzeugt klangliche Schärfe
Beispiele: Die Kunst der Fuge; vorwiegend indeterminierte
Werke von J. Cage (z.B. Variations)
Die Analogie in der Darstellung täuscht: Hier schlägt
Kunst in Beliebigkeit, ja Willkür um, insbesondere dann, wenn
musikalische Einzelereignisse und nicht Massenstrukturen definiert
(bzw. nicht definiert) werden. Die genaue Vorstellung konkreter
klanglicher Details ist mit ausgeprägter kompositorischer Indetermination
unvereinbar. Dies gilt freilich auch für »abstrakte«
Werke der traditionellen Literatur wie etwa Das musikalische
Opfer oder Die Kunst der Fuge.
Dort jedoch erscheint der Grad der Indetermination nur aus der Sicht
späterer Kunstauffassungen (etwa jener des 19. Jh.) ausgeprägt,
historisch gesehen ist er unbedeutend: Wie auch in weiten Bereichen
der Renaissanceliteratur wird eben der Klangfarbe als absichtlich
nicht definiertem »unscharfen« Bereich nur marginale
Bedeutung zuerkannt, die eigentliche kompositorische Aussage ist
auf der Ebene anderer Parameter zu suchen. Viele Komponisten des
20. Jahrhunderts haben daraus die Folgerung abgeleitet, man könne
doch ebenso die Aussage primär auf der Ebene des ehemals vernachlässigten
Parameters Klang artikulieren und die anderen Größen,
allen voran Tonhöhe und Tondauer, als absolute Autoritäten
der Vergangenheit mehr oder weniger undefiniert lassen.
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Konstellation 4:
Unschärfe erzeugt
klangliche Schärfe
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Wenn auch inzwischen
geklärt ist, daß gerade in der Neuen Musik der Parameter
Klang nicht grundsätzlich jenen von Tonhöhe und Tondauer
bzw. Rhythmik untergeordnet werden kann (was auf den größten
Teil der Konzertliteratur von 1500—1900 zutrifft), so erhebt
sich dennoch die Frage, ob alle Parameter gleichermaßen entbehrlich
sind. Kann man wiedererkennbare Werke schreiben, indem man ausschließlich
auf einer dieser Ebenen formuliert? Und wieviel muss konkretisiert
sein, damit man von musikalischer »Identität« sprechen
kann?
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Die Wörter eines
Lexikons, eine entsprechende Kollektion von Farben, einzelne Töne,
Rhythmen, Klangeffekte und/oder eine bestimmte Raumkonstellation
etc. stellen das Material für künstlerische Aussagen bereit
und somit vielleicht die Rahmenbedingungen für Kunst, sind
aber nicht als solche mit Kunstwerken (auch nicht mit einem Teil
von ihnen!) gleichzusetzen.
Das ist immer noch häufig eines der schwerwiegendsten Missverständnisse
zeitgenössischer Kunst: dass ein bestimmter Werkstoff mit künstlerischer
Aussage selbst verwechselt wird. Die Entdeckung neuer Klänge,
konkreter wie elektronischer, verführt dazu. Das Klappengeräusch
einer Flöte etwa ist unzweifelhaft musikalisches Material,
ebenso wie der Ton fis' eines Saxophons oder das Klangereignis
eines Rülpsers.
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Alle drei Vorgänge
ergeben, für sich genommen, noch keine musikalische Aussage.
In Beziehung zueinander gesetzt, können sie grundsätzlich
den Anfang einer solchen bilden. Reicht aber eine bloße Abfolge
dieser Geräusche allein schon aus, damit wir von einer »Komposition«
sprechen können? Was muss noch festgelegt werden, damit Zweifel
an der Ernsthaftigkeit dieses Unternehmens ausgeräumt werden?
Man stelle sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Parameter
denn für sich allein genommen zur Darstellung eines
geformten musikalischen Gedankens genügen. Man wird zur simplen
Erkenntnis gelangen, daß die Definition eines einzigen Parameters
noch nicht ausreicht, daß aber andererseits nicht notwendigerweise
alle Parameter festgelegt werden müssen, um musikalische Identität
zu schaffen. Im Gegensatz zu Tonhöhe und Klang erweist sich
allerdings die Ebene Tondauer/Rhythmus in allen denkbaren Kombinationen
als unverzichtbar.
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Da Musik mit dem Ablauf
der Zeit untrennbar verbunden ist, bildet die Festlegung zeitlicher
Größen, in welcher Form auch immer, eine ihrer unabdingbaren
Voraussetzungen. Vielleicht sogar die einzige.
Die zeitliche Konkretisierung musikalischer Abläufe muss in
jedem Fall durch den Komponisten vorgenommen werden, auch dort,
wo andere Parameter im Vordergrund stehen. Ein fast unermessliches
Feld der Möglichkeiten tut sich auf zwischen metrischer Organisation
und ametrischer, im Rahmen etwa eines Klangkontinuums: Auch dort,
vielleicht gerade dort muss der zeitliche Ablauf definiert werden.
Wo dies nicht geschieht, ist die Grenze künstlerischer Identität
überschritten. Unterschiedliche Grade der Konkretisierung gibt
es zweifelsohne, und dementsprechende Spielräume der Formulierung.
Reicht der Bogen aber tatsächlich von Bartóks sekundengenauen
Zeitangaben bis zu B. Schæffers Non-Stop für
Pianisten, einem Werk, dessen Aufführungsdauer von 6 Minuten
bis zu 6 Stunden variieren kann?
Eine klare Antwort auf diese Frage kann es nicht geben, da es eine
klare Grenze zwischen Ernsthaftigkeit und Willkür ebensowenig
gibt wie zwischen Kunst und ihrem Missbrauch.
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Unverzichtbar:
zeitliche Organisation
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Derartige Grenzen zu ziehen
versuchen autoritäre Kunstgesinnungen immer wieder von neuem,
mit katastrophalen Folgen für Einzelne wie auch für die
Allgemeinheit. An der Erkenntnis, dass ein Diktat solcher Grenzen
unmoralisch und daher abzulehnen ist, ist nicht zu rütteln.
Gerade so aber öffnet sich andererseits Bluffern und Spekulanten
ein weites Betätigungsfeld: Denn wenn man keine Grenze ziehen
könne, dürfe man auch nichts ausgrenzen.
In Form eines grotesken Umkehrschlusses ließe sich die Argumentation
ableiten, grundsätzlich alles, auch »Nichts«, sei
als Kunst zu akzeptieren. Das aber bedeutet Kunst ohne Risiko, Kunst
ohne Angriffsfläche (Kunst, die an sich schon subventioniert
werden muss?!…). An diesem Punkt war John Cage mit 4'33"
bereits vor mehr als 50 Jahren angelangt. Anm. 3)
Wir sollten heute weiter sein.
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Fazit:
also wieder nur »Bahnhof«?
Eine allgemein verbindliche Festlegung von Bewertungskriterien,
von scharfen Grenzen im Umgang mit Kunst ist nicht vertretbar; wo
sie versucht wird, liegen eine autoritäre Kunstgesinnung und/oder
Denkweisen auf Stammtischniveau zugrunde (derartige Zusammenhänge
werden leider immer wieder evident, nicht zuletzt auf der Ebene
parteipolitischer Standpunkte). Damit ist jedoch nicht gesagt, die
Beurteilung von Kunst sei grundsätzlich unmöglich.
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Denn die Beurteilung von
Kunst erfolgt letztlich beim Einzelnen, also im Bereich der Subjektivität.
Das zu akzeptieren fällt manchmal schwer, darin ist aber die
Sinngebung der Kunst schlechthin zu suchen: als lebendiges Feld
von Möglichkeiten, in welchem Wertigkeiten grundsätzlich
anerkannt werden müssen, aber nicht verabsolutiert werden können.
Die Antwort auf die Wertigkeit und Sinnhaftigkeit von Kunst muss
sich letztlich jeder selbst geben.
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Beurteilung
ist subjektiv!
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Als Orientierungshilfe
auf dieser subjektiven Suche nach Sinnhaftigkeit und auch als mögliche
Anhaltspunkte bei einer Beurteilung von Kunstwerken seien im Folgenden
dennoch einige Aussagen getroffen, welche durchaus objektiv gemacht
werden können und die Schlussfolgerung der eben formulierten
Überlegungen wieder etwas unverbindlicher erscheinen lassen:
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Zur Orientierung:
Kriterien der
Beurteilung
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•
Ansatzpunkt einer Bewertung von zeitgenössischer Kunst
bildet zunächst die Prüfung handwerklicher Aspekte,
wobei allerdings zu klären ist, was als handwerklicher Maßstab
eines Werkes zu gelten hat. Für die verschiedenen Disziplinen
des Komponisten, Notation und Instrumentation etwa, formales Gestalten
u.ä. gibt es zwar Normen, jedoch unterliegen diese alle zeitlichen
wie subjektiven Veränderungen. Die Einschätzung eines
Musikwerkes ist daher nur möglich, wenn geklärt wird,
ob und inwieweit es sich mit etablierten Modellen und Mustern deckt
bzw. in welchem Maß eigene Gesetzmäßigkeiten geschaffen
werden.
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Der Grad an Identität
ist sicherlich an das Maß an Normüberschreitungen
gebunden. Jedoch ist Originalität auch ohne diese möglich,
und andererseits Normüberschreitung allein wahrlich noch kein
Garant für Identität.
In diesem Zusammenhang ist zu prüfen, ob Grenzüberschreitung
als künstlerische Maßnahme gerechtfertigt erscheint.
Mit ihr muss ein greifbarer Gewinn (z.B. eine wirklich neuartige
Hör- oder Spielerfahrung) für Zuhörer oder Ausführende
verbunden sein. Andersartigkeit um ihrer selbst willen kann, wenn
auch oft anzutreffen, nicht genügen.
Somit mündet die Frage nach der handwerklichen Qualität
in jene nach der
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•
Angemessenheit und Ökonomie der gewählten
Mittel. Die Forderung nach größtmöglicher Wirkung
durch kleinstmöglichen Aufwand verkommt leider allzu oft zum
Klischee. Nicht immer ist größtmögliche Ökonomie
grundsätzlich mit höchster künstlerischer Qualität
verbunden.
In jedem Fall ist zwischen Ökonomie für die Ausführenden
und jener für den Komponisten zu unterscheiden. Für ihn
gilt: Je geringer der kompositorische Aufwand, desto überzeugender
muss die künstlerische Aussage sein. Ein höherer kompositorischer
Aufwand allerdings (etwa durch minutiöse »Übernotation«
klanglicher Details) bedingt nicht automatisch höhere Qualität,
dies kann sogar, je nach Ausmaß der Anwendung, als handwerkliche
Unangemessenheit angesehen werden. Jedoch ist, bei vergleichbarer
künstlerischer Aussage, ein Werk, das ein höheres Maß
an kompositorischer Anstrengung erkennen läßt, einem
kompositorischen »Schnellschuss« vorzuziehen. Deshalb
sollte ein höherer kompositorischer Aufwand gegenüber
Komponisten, die »sich's leicht gemacht haben«, zunächst
einmal als Bonus gelten. — Jene Erfahrung der Nachkriegsgenerationen,
dass nämlich serielle Stücke von extrem aleatorischen
klanglich oft kaum auseinanderzuhalten sind, wäre hier in besonderer
Weise zu reflektieren.
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•
Quantitativ (nicht qualitativ!) betrachtet: Zwei der wesentlichsten
Kriterien künstlerischer Sinnhaftigkeit sind Vielfalt
einerseits und Intensität der Aussage andererseits.
Das Zusammenwirken beider ist durchaus komplex. Intensität
schließt Vielfalt nicht aus, ein Mangel an Vielfalt bedingt
nicht automatisch einen Verlust an Qualität, sondern kann durch
eine gesteigerte Intensität der Aussage aufgefangen werden
(z.B. gregor. Choral). Ein hohes Maß an Vielfalt und Abwechslung
allerdings verleiht der Musik Profil und Identität und bildet
damit seinerseits ein Qualitätskriterium.
In Bezug auf die oben dargestellten Kategorien stellt eine Mischung
aus Schärfe und Unschärfe zunächst den »günstigeren«
Ausgangspunkt für einen Komponisten dar als jener einer einseitigen
Beschränkung. Dem Streben nach Vielfalt ist auch die Suche
nach klanglicher Erweiterung in der Neuen Musik zuzuordnen. Freilich
kann eine Überfülle an Material auch gerade das Gegenteil
von Sinnhaftigkeit bewirken: etwa als Sammelsurium von Effekten,
in Form eines akustischen »Wörterbuches«. Und im
Gegenzug kann die selbstgewählte Beschränkung des Materials
zum entscheidenden Motor für kompositorische Höchstleistungen
werden. Das »Fasten« gewissermaßen als Katalysator
für die eigene Phantasie.
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Unabdingbar für eine künstlerische Aussage ist,
dass sie mit Intensität und Konsequenz vertreten wird. Dies
setzt ein ausgeprägtes Bewusstsein über den eigenen ästhetischen
Standpunkt voraus. Intensität der Aussage und Konsequenz in
der Anwendung der gewählten Mittel zählen zu den vorrangigsten
Maßstäben für die Beurteilung zeitgenössischer
Kunst.
• Je höher der Anteil konkretisierter
Elemente in einem Kunstwerk, desto individueller die Aussage, desto
größer dessen Identität; je höher der Anteil
undefinierter Elemente, desto beliebiger, willkürlicher das
konkrete Resultat. Im Extremfall reduziert sich die Aussage von
»Kunstwerken« auf die ihnen zugrunde liegenden Ideen.
Bei unterschiedlichen Präsentationen beschränkt sich dann
der Wiedererkennungswert von Kompositionen auf diese Ideen allein;
die sinnliche Konkretisierung bleibt beliebig.
Damit geht künstlerische Identität verloren.
Wenn eine der Voraussetzungen von Kunst im Vorgang sinnlicher Veranschaulichung
liegt, so ist in diesen Fällen die Grenze der Kunst überschritten;
die Grenze respektabler Denkleistungen als solche freilich
nicht. Anm. 4)
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•
Mit einem steigenden Anteil vage oder nicht definierter Parameter
in einer Komposition wird der Autor zunehmend zum Impulsgeber
für Vorgänge und Ereignisse, deren konkrete Ausgestaltung
durch die Musiker vorgenommen wird, sei es, indem sie in Proben
Fehlendes zu Ende definieren, sei es mit dem Mittel der Improvisation.
Auch hier sind scharfe Grenzen nicht zu ziehen. Wozu wollte man
das auch, über die künstlerische Aussagekraft der musikalischen
Ereignisse ist damit ohnedies nichts ausgesagt. Durch eine Erhöhung
indeterminierter Bereiche ist die Sinnhaftigkeit des Vorhabens an
sich nicht betroffen oder gar in Frage gestellt.
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Der Autor als
Impulsgeber
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• Aber mit der
Zunahme indeterminierter Bereiche ist ein Verlust von Individualität
verbunden, durch welchen sich künstlerische Verantwortung zumindest
teilweise vom Komponisten auf die Musiker (und vielleicht sogar
auf das Publikum) verlagert. Ein Beharren von Autoren auf einem
traditionellen Komponistentypus bzw. auf einem geschlossenen Werkbegriff
ist in Zusammenhang mit einem hohen Anteil indeterminierter Elemente
unehrlich, unmoralisch und letztlich unzulässig. Entsprechende
Überlegungen in Urheberrechtsgesellschaften (AKM, GEMA u.a.),
bei überwiegend indeterminierter Musik einen Teil der Tantiemen
den ausübenden Musikern zukommen zu lassen, tragen diesem Umstand
Rechnung.
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• Mit zunehmender
Indetermination wird es naturgemäß schwieriger, Qualitätsmaßstäbe
anzulegen. Ein hohes Maß an Variabilität bringt ein ebensolches
an Unantastbarkeit mit sich. Wie könnte man auch bestimmte
Kritik an unbestimmten Gebilden äußern? Es sei
denn, ein Kritiker wollte sie pauschal ablehnen – und sich
damit selbst disqualifizieren.
• Indetermination kann missbraucht
werden — Determination auch. Mit dem Grad der Indetermination
steigt allerdings die Chance von Scharlatanen, als solche unerkannt
zu bleiben, ebenso wie die Möglichkeit von Komponisten, im
Falle des (zunehmend unwahrscheinlichen) Scheiterns Verantwortung
auf die interpretierenden Musiker abzuwälzen.
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Verlust von
Kritikfähigkeit
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So gesehen ist der einschlägige
»Bahnhof« mit den paar formulierten Rahmenbedingungen
durchaus bereits Teil einer »Komposition«:
Er macht vielleicht 1‰, oder auch 2‰, oder gar 1% des
zu erwartenden Kunst»werkes« aus. Diesen Anteil zu erhöhen
ist die Aufgabe des Komponisten oder aber — im Fall von dessen
Rückzug — seiner »komponierenden« Interpreten. Anm. 5)
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Martin Lichtfuss, »Hommage à …«
für 3 Instrumente (1999); Dauer: 15" – 15'
Dieser Artikel wurde im Heft 10/2000 der Österreichischen
Musikzeitschrift veröffentlicht.
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1)
Diese Ansichten vertrat der Tiroler Musiker und Komponist
Günther Zechberger als zweifellos radikaler Exponent innerhalb
der österreichischen Musikszene am 30.11.1999 anlässlich
eines »Tages der graphischen Notation« am Tiroler Landeskonservatorium
Innsbruck.
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2) Bernd
Alois Zimmermann, Intervall und Zeit, Mainz 1974, S. 103-104.
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3) Im
übrigen ist dieses Stück als Frage zu verstehen, ob die
Definition der Zeitdauer allein zur Formulierung einer sinnvollen
musikalischen Aussage ausreicht.
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4) Die
Bedeutung etwa von J. Cage liegt ja nicht zuletzt darin, die Grenzen
künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten nicht nur erkundet,
sondern ausdrücklich überschritten zu haben. Ohne die
grundsätzliche Annahme solcher Grenzen erscheinen insbesondere
seine »radikalsten« Werke weitgehend unverständlich.
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5) Literaturhinweis:
Entscheidende Aussagen zu diesem Themenbereich finden sich in: Walter
Gieseler, Komposition im 20. Jahrhundert, Celle 1975, einem
Standardwerk über Neue Musik, dem ich wesentliche Erkenntnisse
verdanke.
zutück zum text |
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