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texte von martin lichtfuss

martin lichtfuss texte
   
       
   
 

Zu meinen Kompositionen
[ 1996 ]


Mit meiner Musik fühle ich mich nicht einer bestimmten Ideologie verpflichtet; vielmehr ist die Fülle an musikalischen Sprachen, an Ausdrucksformen, an aktuellen Kompositionstechniken eine der wichtigsten Grundlagen meiner musikalischen Phantasie.
Ich versuche, mir durch Einbeziehung verschiedenster musikalischer Tendenzen unserer Zeit ein breit gefächertes Ausdrucksspektrum zu erschließen und so meiner Musik ein möglichst abwechslungsreiches Profil zu geben. Dies allerdings nicht im Sinne einer postmodernen Polystilistik; ich war in meinen bisherigen Kompositionen bestrebt, eine einheitliche musikalische Sprache zu verwirklichen.

 

Ein breit gefächertes
Ausdrucksspektrum
erschließen

   
 

Ich empfinde eine Scheu, diese musikalische Sprache verbal zu beschreiben (wen es genau interessiert, der kann gerne von mir CDs erhalten!). Lieber verweise ich auf einige jener großen Komponisten unseres Jahrhunderts, deren Werke mich seit meiner Studienzeit faszinieren und deren »Einfluß« ich mich nach wie vor ohne Scheu aussetze: A. Berg und B. Bartók, weil sie in ihrer Musik so unvergleichlich Emotionalität durch konstruktive Verfahren verwirklicht haben, O. Messiæn mit seiner betörenden Klangschönheit (diese ebenso konstruktiv gebildet!), F. Martin, weil er mit seiner oft latenten Tonalität subtile Zwischentöne zum Klingen bringt, G. Ligeti, in dessen jüngeren Werken eine faszinierend bunte Vielfalt an Ausdrucksmitteln ertönt, und neben vielen anderen mehr nicht zuletzt das Vienna Art Orchestra mit Mathias Rüegg, die immer wieder überwältigend beweisen, wie man zeitgenössische Musik jenseits verkrampfter stilistischer Eingrenzung »an den Mann bringen« kann.

 

Subtile
Zwischentöne zum
Klingen bringen

   
 

Irgendwo im Umfeld dieser Komponisten und ihrer Musik siedle ich meine Kompositionen an. Meist freitonal (oder frei-atonal — worin besteht eigentlich der Unterschied?), von Emotionskurven getragen und fast immer rhythmisch akzentuiert. Meine früheren Werke entstanden fast alle auf spontane Weise, aus einer improvisatorischen Grundhaltung heraus; dabei war ich bestrebt, traditionelle Periodik mit zeitgenössischen Klangmitteln zu verbinden bzw. auch zu verfremden. In letzter Zeit habe ich vermehrt Konstruktionsprinzipien (kanonische Strukturen, ...) angewandt, wobei die Musik gelegentlich auch minimalistische Züge angenommen hat.

 

Meist freitonal,
von Emotionskurven
getragen …

 
   
 
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